Bestätigungsfehler: Wie Du mit guter Selbstführung den Confirmation Bias bei Dir selbst erkennst und vermeidest (2 von 3)

Selbstführung als Schlüsselkompetenz

Selbstführung ist eine Schlüsselkompetenz, die im Berufsleben oft über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Doch wie gut führst Du Dich selbst, wenn es um Deine eigenen möglichen Denkfehler geht? Der Confirmation Bias ist eine der größten Herausforderungen, wenn wir fundierte Entscheidungen treffen wollen. In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du durch bewusste Selbstführung den Confirmation Bias erkennst und vermeidest. Siehe dazu auch hier

Warum Selbstführung so wichtig ist

Als Führungskraft triffst Du täglich zahlreiche Entscheidungen. Der Druck, schnell zu handeln, ist groß, und unser Gehirn greift gern auf gewohnte Denkmuster zurück. Das Problem: Diese Denkmuster sind oft durch den Confirmation Bias geprägt. Effektive Selbstführung bedeutet, diese Denkfallen aktiv zu hinterfragen und bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Anzeichen dafür, dass Du dem Bestätigungsfehler unterliegst

Der erste Schritt, um den Bestätigungsfehler zu erkennen, ist das Bewusstsein für eigene Denk- und Verhaltensweisen. Wie triffst Du Entscheidungen? Was sind typische Handlungsmuster, die du immer wieder ausführst, ohne darüber nachzudenken. Sagst du so etwas, wie: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Das ist historisch gewachsen“? 

Folgende Anzeichen sprechen dafür, dass Du in bestimmten Situationen dem Confirmation Bias unterliegst:

    • Du hast bereits eine klare Meinung, bevor Du alle Informationen geprüft hast. Wenn Du Dich bei einer Entscheidung ertappst, bei der Du schnell eine Vorliebe für eine bestimmte Option entwickelst, ohne alle relevanten Fakten zu kennen, ist Vorsicht geboten. Dies zeigt, dass Du dazu neigst, frühzeitig Schlussfolgerungen zu ziehen und möglicherweise gegensätzliche Informationen nicht ausreichend zu berücksichtigen.

    • Du suchst aktiv nach Beweisen, die Deine Meinung stützen. Sobald Du eine Meinung hast, suchst Du gezielt nach Informationen, die Deine bestehende Meinung oder bevorzugte Entscheidung untermauern, während du eher kritisch gegenüber anderen Meinungen bist. Das zeigt sich beispielsweise, wenn Du Dir nur Rat bei Personen suchst, die grundsätzlich ähnliche Meinungen wie Du teilen. 

    • Selbsttest in Sachen Bias. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das mit den Bestätigungsfehlern funktioniert, helfen kleine Tests. Hier findest Du einen kurzen Selbsttest des deutschen Psychologen Jochen Baumeister, der auch erklärt, wie die Ergebnisse gemäß des bias-Konzepts erklärt werden: z.B. hier

Was du konkret tun kannst, um kognitive Verzerrungen zu durchbrechen

Sobald Du die typischen Anzeichen des Bestätigungsfehlers erkennst, ist es wichtig, bewusst Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Denkfalle entgegenzuwirken. Dabei geht es vor allem darum, alternative Perspektiven aktiv einzubeziehen und Entscheidungen auf eine breitere Informationsbasis zu stellen. Folgende Strategien bieten Dir zwar keine 100%-ige Sicherheit, können Dir aber helfen, Bestätigungsfehler zu vermeiden:

    • Frage gezielt nach gegenteiligen Informationen. Es ist hilfreich, bei der Entscheidungsfindung aktiv nach Daten zu suchen, die Deiner bevorzugten Meinung widersprechen. Stelle Dir Fragen wie: „Was spricht gegen diese Entscheidung?“ oder „Welche Informationen würden meine Meinung infrage stellen?“ Dies zwingt Dich dazu, den Blick zu erweitern und mögliche Schwächen in Deiner bisherigen Überzeugung zu erkennen.

    • Bitte eine andere Person, bewusst die Gegenposition einzunehmen. Dies ist eine bewährte Technik, bei der Du eine Person in Deinem Team oder eine Kollegin bittest, die Rolle des „Anwalt des Teufels (Devils Advocate)“ einzunehmen und aktiv Argumente gegen Deine bevorzugte Option vorzubringen. Diese Methode fördert eine kritische Diskussion und hilft, blinde Flecken in der eigenen Argumentation aufzudecken.

    • Gib kritischen Stimmen Raum. Ermutige Teammitglieder dazu, offen ihre Bedenken oder abweichenden Meinungen zu äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Eine offene Diskussionskultur kann dazu beitragen, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden und Du ein vollständigeres Bild der Situation erhältst.

    • Reflektiere dich kontinuierlich. Okay, das klingt nach einer Floskel, aber das kontinuierliche Reflektieren von eigenen Entscheidungen bringt Dich weiter. Falsche Entscheidungen oder Fehler müssen nicht nur negativ sein. Du kannst lernen, was in Zukunft anders laufen soll. Gerade als Führungskraft oder Beraterin kann es hilfreich sein, dass Du dir eine Supervisionsgruppe suchst, die dir dabei hilft, Dein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Zusammenfassung und Ausblick

In diesem Artikel hast Du gelernt, wie Du bei Dir selbst Signale identifizierst, die auf Denkfehler hinweisen. Um diese Signale zu erkennen und für Dich zu nutzen, ist Selbstführung hilfreich – also das bewusste Hinterfragen eigener Entscheidungen und Verhaltensweisen. Außerdem hast du Möglichkeiten kennengelernt, die aufgespürten Denkfehler zu vermeiden.
Im nächsten Artikel schauen wir auf Teams und Gruppen und klären die Frage, wie Du diese dabei unterstützen kannst, fundierte Entscheidungen zu treffen.

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